zurück zur Übersicht

Schnuller oder Daumen

Erfahrungsbericht einer Mutter zum Thema Schnuller

Wir möchten mit euch Eltern gemeinsam einen Weg finden, euch über wichtige Themen in der Kinderentwicklung aufzuklären. Die gesunde Entwicklung der Kinder ist vielfältig und individuell, daher freuen wir uns auf einen Austausch und geben dies gern weiter.

Julia schrieb uns und teilte ihre Erfahrungen mit, lest selbst und teilt uns gerne auch eure Erfahrungen mit.

Erfahrung in Bezug auf Schnuller

Ich bin Mama von 2 wundervollen Kindern. Mein Sohn ist 3 Jahre und meine Tochter 10 Monate alt. Wir haben zweierlei Erfahrung in Bezug auf Schnuller gemacht und ich möchte meine Erfahrung gerne mit euch teilen.

Als mein Sohn am 30.12.2017 sechs Wochen zu früh geholt wurde, musste ich vor dem Kaiserschnitt alle notwendigen Unterlagen unterschreiben und habe somit alle Macht den Ärzten überlassen. Es wurde jede Entscheidung ohne zusätzliche Abklärung getroffen. Unser Sohn lag 7 Tage auf der Intensivstation in Zimmer „Eins“. In diesem Zimmer war eine 24 Stunden Überwachung und er hatte Schläuche über Schläuche an und in sich. Als er dann in ein anderes Zimmer verlegt wurde, weil seine Vitalwerte gut waren, kamen ein paar Schläuche weg und es wurde ihm ein Schnuller zur Beruhigung gegeben. Dieser wurde ihm immer in den Mund gegeben, obwohl er ihn regelmäßig wieder rausfallen lassen hat. Ich habe die Schwestern gefragt, weshalb er denn einen Schnuller braucht, wenn ich von morgens 7:00 Uhr bis abends 22:00 Uhr bei ihm bin. Ich wollte ihn so oft es ging auf dem Arm halten, nur zum Abpumpen musste ich ihn in den Brutkasten legen. Er hatte nicht genug Kraft, um genug Milch an der Brust zu trinken. Da meinte eine Schwester tatsächlich, er bräuchte den Schnuller auch, um das Saugen zu üben.

Schnuller oder Daumen

Da wurde ich stutzig und habe mich zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigt. Ich selbst war eine Daumenlutscherin und habe mir ehrlich gesagt nie Gedanken in der Schwangerschaft gemacht, ob ich einen Schnuller für ihn brauchen oder nutzen will. Es wurde mir also aufgezwungen. Der erste Schnuller, den mein kleiner Sohn bekommen hat (er war nur 1.400g schwer) war ultra klein und ganz weich. Von der Form her sah er aus, wie jeder Schnuller oder bzw. wie ich mir einen Schnuller vorgestellt habe. Wenn ich also vom Abpumpen zurückkam, hatte er wieder den Schnuller direkt neben seinem Kopf liegen. Sprich, er hat vermutlich geweint, weil ich weg gehen musste und die Schwestern haben ihm den Schnuller gegeben, den er gleich wieder rausfallen lassen hat. Ich bat die Schwestern, ihm den Schnuller nicht zu geben und verwies darauf, dass er einen Daumen hat. Diesen kann er sich selbst in den Mund stecken, wenn er etwas zur Beruhigung braucht und wenn er aus dem Mund fällt kann er ihn selbst wieder in den Mund stecken. Das tat er aber nie.

Als ich an einem weiteren Tag in die Klinik kam lag ein Riesen-Schnuller in seinem Bettchen. Er war ungelogen fast so groß wie sein Köpfchen. Natürlich wollte ich sofort wissen, was das für ein Monster im Mund ist und die Antwort war: ein Kirschsauger. „Der ist ähnlich der mütterlichen Brust.“ Er ist von Avent und das Beste, was es aktuell für Frühgeborene gibt. Na gut, dachte ich mir, was soll ich machen. Die wissen schon, was gut ist. Ist ja ein Krankenhaus und das Wohl der Babys steht ja bestimmt an erster Stelle.

Wenn ich nicht da bin, habe ich keinen Einfluss und muss es wohl hinnehmen, dass die Damen der Station meinem Sohn dieses Ding geben. Habe ja schließlich die Macht schon vor der Geburt abgeben müssen. Um den Ablauf der Station nicht zu behindern, dürfen sie machen, was sie für richtig halten, um das Kindeswohl aufrecht zu erhalten.

Als wir nach 28 Tagen endlich nach Hause durften wurde mir der Schnuller ans Herz gelegt, weil er das Kind unglaublich unterstützen kann. Da ich bis dato keine Ahnung hatte, habe ich dem Krankenhaus vertraut und das Teil mitgenommen. Und was soll ich sagen, natürlich haben wir ihn auch genutzt, da ich Angst hatte, es wäre schlecht, wenn er ihn auf einmal nicht mehr hatte. 11 Wochen lang habe ich täglich 7-8x abgepumpt. Ich habe meinen Sohn erst gestillt und als ihn die Kraft verlassen hat, die restliche Milch aus der Flasche gegeben. Nach 11 Wochen hat es mit dem Stillen geklappt und mein Sohn und ich waren überglücklich. Ich stillte ihn so oft er es verlangt hatte. Unsere Bindung wurde gefestigt und mein Sohn war glücklich und zufrieden, da er nun richtig saugen konnte. Ab diesem Zeitpunkt war der Schnuller für mich gestorben, da mein Sohn auch zum Einschlafen, Beruhigen und Essen an die Brust durfte, so oft er wollte. Zum Teil mehr als 14x am Tag. Ich wurde von vielen belächelt und ich musste mir viele Kommentare anhören, die schmerzten, aber mein Gefühl sagte mir, es ist richtig so.

Die Schnuller in der Kiste

Die Schnuller, die wir hatten, habe ich in eine Kiste gepackt und nie wieder rausgeholt. Bis meine Tochter am 13.3.2020 auf normalem Wege zur Welt kam. Sie war ein „Durchschnitts-Baby“ und hat sofort die Kraft gehabt, ohne Probleme an der Brust zu trinken. Ich hatte auch zum Glück immer genug Milch. Nach einigen Wochen zu Hause und dem Zeitpunkt, wo die Elternzeit meines Mannes endete, habe ich meine Tochter öfters neben uns legen müssen um natürlich auch meinem Sohn mit dem Spielen gerecht zu werden, doch da reklamierte sie oft sehr laut. Ich hatte sie sehr viel auf dem Arm und in der Trage, was auch immer half, aber ich habe mich natürlich wieder beeinflussen lassen: „Wieso gibst du deinem Kind keinen Schnuller. Die Zweiten kannst du nicht wie das Erste ständig bei dir haben…“. Also habe ich mir Gedanken gemacht und wieder den Schnuller besorgt, den mein Sohn hatte. Schließlich sagte das Krankenhaus, das seien die Besten, wenn man einen Schnuller nutzen will. Meine Tochter fand es furchtbar, aber ich habe nicht aufgegeben und sie quasi an den Schnuller „gewöhnt“.

Dann plagte mich aber doch mein schlechtes Gewissen und ich dachte: „Wieso habe ich das nur gemacht?“... gegen all mein Wissen und mein Gefühl. Also habe ich einen anderen Schnuller gekauft, da mir eine Logopädin geraten hatte, den kleinsten, weichsten Schnuller zu kaufen. Leider kann man die im Laden nicht anfassen, daher habe ich drei unterschiedliche Schnuller gekauft. Diese wollte meine Tochter aber noch weniger. Also habe ich sie wieder viel in der Trage, im Tuch und auf dem Arm beim Spielen mit meinem Sohn, damit sie nicht weinen muss. Auf einmal hat meine Tochter auf dem Arm ihren Daumen in den Mund genommen und sich so selbst beruhigt. Ich habe sie gelassen, weil ich persönlich der Meinung bin, ich kann ihr ihre eigenen Finger nicht verbieten. Sie nuckelt an ihrem Daumen bis heute und wird es vermutlich auch noch eine lange Zeit tun, aber das ist für uns ok. Wenn sie eingeschlafen ist, fällt der Daumen eh raus, da sie locker lässt und somit auch der Sog nachlässt.

Mein Fazit zum Thema Schnuller fällt also so aus: ich verneine es nicht, aber finde, man muss es gut abwägen, da es ein Fremdkörper im Mund eines winzig kleinen Babys ist, das nicht selbst bestimmen kann, ob es das Teil möchte oder nicht. Für mich gibt es viele andere Möglichkeiten meinem Kind Beruhigung und Zuneigung zu geben, als es sich mit dem Schnuller selbst zu beruhigen. Babys, gerade im ersten Lebensjahr, benötigen einfach viel Mama und Papa. Diesem Urbedürfnis sollten wir als Eltern nachkommen und das geht auch ohne diverse Hilfsmittel wie den Schnuller.

Das Wichtigste zusammengefasst

Julias Fazit zum Thema Schnuller ist, dass sie einen Schnuller nicht verneint, aber im Vorfeld immer abwägen würde ob dieser wirklich notwendig ist, schließlich ist es ein Fremdkörper im Mund eines winzig kleinen Babys. Wichtig ist immer individuell auf die Bedürfnisse eines Babys zu schauen, einem Kind viele andere Möglichkeiten anzubieten Beruhigung und Zuneigung zu geben und nicht gleich zum Schnuller zu greifen. Es ist völlig normal, dass Babys, gerade im ersten Jahr, Mama und Papa viel benötigen und einfordern. Sie beschreibt, dass Eltern dem Urbedürfnis nachgehen sollten und darauf vertrauen sollten, ohne Hilfsmittel wie z.B. Schnuller.

Tags
Keine Tags vorhanden

Das könnte dich auch interessieren

Sei ein Teil der
@inner.me.family